Nach einer langen weiteren Probenzeit in Erlangen, Weimar, Gießen und wieder Erlangen…

…sind wir nun nur ein Karnevalsverein und zwar einer außerhalb der Saison!

Keine von uns hätte wohl jemals geglaubt, dass sie das mal über sich sagen würde oder über Hysterisches Globusgefühl.

Ebenfalls keine von uns hätte jemals geglaubt, dass es mal Essays in einschlägigen Wochenzeitungen gibt, die beschreiben, dass keine Revolution mehr möglich ist in einem neoliberalen System und der uns auch noch so aus der Seele spricht.

(http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256)

Die Verbindung von beidem, die Unmöglichkeit ein Karnevalsverein zu sein und die angebliche Unmöglichkeit von Revolution, bilden die Grundlage für das Projekt, an dem wir die letzten Monate intensiv gearbeitet haben.

Entwurf KarnevalswagenEntwurf Kostüm

Wir haben uns Narrenanzüge und Masken gekauft und durch intensives Lachyoga und noch viel intensiveres Diskutieren über das System, in dem wir leben, eine Geschichte entwickelt.

Eine Geschichte, die diese Fragen verhandelt:

Leben wir in einer Welt, in der das System des liberalen Kapitalismus alternativlos geworden zu sein scheint, in der eigentlich nur noch die Verschlechterung der Gegenwart einsetzen kann; in der große revolutionäre Gesten und Massenbewegungen pathetisch erscheinen und jegliche Moral anachronistisch? Wissen wir nicht schon längst, dass wir den Sitz der uns unterdrückenden Macht nicht mehr ausmachen können und spüren sie aber doch immer und überall? Sind wir nicht auch Teil davon und unterdrücken uns selbst?

Die Antwort lautet: ja, aber das Wichtige ist, dass es uns so erscheint. Wir können nicht genau sagen, ob es so ist. Deshalb ist die erste Alternative, sich trotz aller Alternativlosigkeit über diese Situation zu erheben und einen Außenstandpunkt einzunehmen, um dem Gefühl der Ohnmacht ein kleines Stück entgegen wirken zu können. Und das machen wir!

Wir haben Masken für uns und für das Publikum besorgt, einen Karnevalswagen gebaut, eine mobile Musikanlage und die Gitarre im Gepäck. Sehr viel Schnaps, noch mehr Konfetti und gute geölte Stimmen, mit denen wir uns stöhnend, schreiend und lachend in den Stadtraum begeben. Wir konfrontieren uns mit allem – also allem, was Teil dieser unterdrückerischen Scheinfreiheit ist – und greifen es an. Dabei bleiben wir als Narren getarnt. Wir begeben uns gemeinsam mit dem Theaterpublikum auf den Weg zu einem Punkt, wo kurzzeitig alles in Frage gestellt und unsere Lebensrealiät absurd wird, dorthin wo die Utopie von der Revolution wieder möglich ist.

Wir laden euch ein zu einer gemeinsamen einstündigen Transformation in einen Karnevalsverein! Bis dahin arbeiten wir noch ein bisschen daran und freuen uns auf neue performistische Aktionen im März, April und Mai.

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